Erfahrungen mit der Prusa MMU2S

In diesem Artikel möchte ich von meinem Erfahrungen berichten, die ich mit der MMU2S von Prusa gemacht habe.

Was ist die MMU2S ?

Die MMU2S (Multi Material Unit) von Prusa ist eine Erweiterung für den Prusa I3 MK3S+ (und seine Vorgänger), die es ermöglicht bis zu 5 verschiedene Filamente gleichzeitig zu verarbeiten.

Prusa I3 MK3S+ mit MMU2S

Anwendungsszenarien

Die MMU2S ermöglicht folgende Dinge:

  • Erstellen von mehrfarbigen Drucken, bei denen bis zu 5 verschiedene Farben auf einem Layer gedruckt werden können.
  • Erstellen von Drucken mit löslichen Stützstrukturen
  • Aufbrauchen von Rollen mit Restmaterial. Das heißt es können bis zu 5 Rollen mit Restmaterial geladen werden. Wenn eine Rolle leer ist, dann lädt der Drucker automatisch die nächste Rolle und dann die folgende usw.

Montage

Die Montage ist nicht ganz einfach, aber wenn man bereits Erfahrungen mit dem Zusammenbau des Prusa I3 MK3S+ Kits gesammelt hat und sich genau an die Anleitung hält, dann sollte sie problemlos gelingen.

Hat man bisher nur den bereits fertig montierten Prusa genutzt und auch sonst keine Erfahrung im Bau von Druckern (bzw. deren Mechanik + Verdrahtung), dann könnte die MMU2S eine Herausforderung werden, weil hier viel Geschick, Präzision und Erfahrung erforderlich ist.

Montage der MMU2S

Wichtiger Hinweis: Um den Prusa I3 MK3S+ zusammen mit der MMU2S verwenden zu können, sind auch einige Umbauarbeiten am Extruder zu verrichten. Der Drucker lässt sich danach nicht mehr ohne MMU verwenden! Die MMU2S lässt sich auch nicht einfach abschalten.

Der Zusammenbau gliedert sich in die wesentlichen Abschnitte

  • Upgrade des Extruders
  • Montage der MMU
  • Verdrahtung der MMU und Anschluss an den Drucker
  • Montage der Rollenhalter und des Filament Buffers
  • Inbetriebnahme

Beim Zusammenbau sollte man genau darauf achten, dass alle Teile sauber entgratet sind und absolut leichtgängig sind. In den Führungen für das Filament darf es keinen Grat und keine Kanten geben. Beim Anschließen der Schläuche zur Führung des Filaments dürfen diese auf keinen Fall geknickt werden. Die Schrauben zum Fixieren der Schläuche dürfen nicht zu fest angezogen werden, da ansonsten der Querschnitt des Schlauchs verringert wird und Filament klemmen kann. Die Anleitung sollte genau befolgt werden und nach jedem Schritt geprüft werden, dass alles leichtgängig ist. Ganz zum Schluss nochmals prüfen, dass alles leichtgängig ist und das Filament jeden Weg ohne Widerstand passieren kann. Auch die Pulleys müssen genauestens ausgerichtet werden.

Jeder kleinste Widerstand im Weg des Materials, jeder Grat und jede Ungenauigkeit in der Montage summiert sich und rächt sich später mit Fehlfunktionen während des Drucks!

In den Foren gibt es einige verzweifelte Besitzer der MMU2S, die davon berichten, dass sie diese nie vernünftig ans Laufen gebracht haben und die es letztendlich auch aufgegeben haben und die MMU irgendwann wieder entfernt haben. Ich bin mir relativ sicher, dass es sich hierbei überwiegend um Fälle handelt, bei denen nicht nicht präzise genug gearbeitet wurde.

Inbetriebnahme und erster Druck

Die Inbetriebnahme kostete auch nochmal ein wenig Arbeit. Sensoren justieren, Firmware updaten und bei mir musste auch der Drucker neu kalibriert werden.

Für meinen ersten Druck habe ich den Striped lizard (multi-material), eine bunte Eidechse, ausgewählt.

Das Modell im Prusa Slicer

Die Vorbereitung des Drucks im Prusa Slicer war sehr einfach. Gut finde ich dass die farbliche Darstellung exakt dem späteren Druckergebnis entspricht.

Das Einfädeln des Filaments durch den Filamentbuffer zum Laden der MMU2S ist eine Qual. Man muss es schaffen das Filament von der einen Seite durch den Buffer auf die andere Seite zu führen und sie dann dort wieder einzufädeln. Das Filament wehrt sich jedoch dagegen, da es durch die Lagerung auf der Rolle gebogen ist und immer wieder weg rutscht. Man kann dann zur Führung des Filaments durch den Buffer einen übrig gebliebenen PTFE Schlauch zur Hilfe nehmen, aber das ist dann immer noch nicht ganz so einfach, weil man nicht richtig sehen kann was man tut. Der Buffer ist wirklich nicht nicht zu Ende gedacht bzw. anwenderfreundlich. Ein Guckloch wäre beispielsweise ganz toll gewesen. Ist aber leider nicht vorhanden. Weil dem Drucker nach der Erweiterung auf die MMU2S das Filament nur noch über die MMU zugeführt werden kann, muss man dann später auch wirklich bei jedem Materialwechsel diesen fummeligen Einfädelvorgang wiederholen. Das macht die außerordentlich gute Usability des Druckers vollkommen zunichte.

Der Druck selbst lief beinahe problemlos ab – bis auf 2 Probleme.

  • Zum Ende des Drucks gab es einige Staus. Die Ursache ist mir noch unbekannt. Das Gute: der Druck ist wegen der Staus nicht gescheitert. Der Drucker war jedes mal so intelligent und hat einen Fehler gemeldet, hat dann darauf gewartet, dass man diesen behebt und hat dann anschließend dort weitergemacht wo er zuvor unterbrochen wurde. Dieses Fehlermanagement hat mich echt überrascht und ich finde das wirklich bemerkenswert.
  • Das zweite Problem ließ sich wieder auf das schlechte Design des Filamentbuffers zurückzuführen. Der Buffer soll eigentlich verhindern, dass zurückgeführtes Filament zurück zur Rolle läuft und diese abrollt und dort Knoten bildet. Oder dass sich das Filament verschiedener Rollen miteinander verknotet. Dabei hat er grandios versagt. Anstatt das Filament in den Buffer zu führen, wurde es bei 2 von 3 Rollen ständig direkt auf die Rolle zurückgeführt, sodass ich jede halbe Stunde zum Drucker laufen musste und die Rolle wieder aufwickeln musste um Knoten zu verhindern.

Das Druckergebnis war dann am Ende aber wirklich toll. Das hat mich letztendlich auch dazu bewogen die MMU nicht zu verbannen, sondern stattdessen weitere Zeit in Verbesserungen zu investieren.

Anzumerken ist, dass beim Druck mit der MMU2S auch ein so genannter Wipetower gedruckt werden muss. Dieser dient dazu die Nozzle des Drucker nach einem Filamentwechsel vom alten Material zu befreien. So ein Wipetower kann ganz schön groß werden und sorgt für einen erhöhten Materialverbrauch. Außerdem sorgen der automatische Materialwechsel und der anschließende Wipevorgang auf jedem Layer für lange Druckzeiten. Dessen muss man sich bewusst sein, dies ist aber bei den meisten Druckern so, die mehr als 2 Materialien gleichzeitig verarbeiten. Möchte man keinen Wipetower und keine langen Materialwechsel in Kauf nehmen, dann sollte man sich einen Drucker mit mehreren Druckköpfen zulegen. Hier gibt es dann aber wieder andere Nachteile zu beachten.

Fertiger Druck mit Wipetower. Der Wipetower bleibt übrigens gleich groß egal ob ich 1, 2 oder 3 Echsen gedruckt hätte.

Zusammenfassung

Die MMU2S ist eine interessante Erweiterung für den Prusa I3 MK3S+. Die Montage und Inbetriebnahme erfordert jedoch Erfahrung und Geduld. Nichts für Anfänger. Wenn alles sorgfältig montiert wurde und richtig funktioniert, dann kann die MMU2S tolle Druckergebnisse generieren. Der Filamentbuffer ist leider überhaupt nicht zu Ende gedacht und erfordert einiges an Nacharbeit, damit er seine Aufgabe zufriedenstellend erfüllt. Man sollte sich bewusst sein, dass man den Drucker nach der Erweiterung auf die MMU2S nicht mehr ohne diese betreiben kann. Das heißt, Filament muss von nun an immer durch die MMU geführt werden. Die besonders gute Usability des Prusa I3 MK3S+ ist damit Geschichte und die Fehleranfälligkeit ist ebenfalls höher. Beides sind klare Nachteile, die man sich dazu kauft. Ob man bereit ist diese Nachteile in Kauf zu nehmen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt Alternativen aber die sind leider teurer, aber dafür auch mit anderen Druckern kompatibel.

4 Kommentare

  1. Jetzt fehlt dir nur noch die Firmware von TheZeroBeast, dann geht der Druck auch richtig flott. Und man kann den Drucker wieder im Single Mode ohne MMU betreiben 🙂

    1. Hallo Holger. Ich habe das anders gelöst. Ich habe die Stromzufuhr und die Signalleitung für die MMU mit Schaltern versehen. So kann ich die MMU abschalten ohne eine Firmware Änderung. Mir ist es wichtig dass ich weiterhin die originale Firmware von Prusa verwenden kann. Die finde ich nämlich großartig und es gibt ständig Updates mit Verbesserungen.

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